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Waage - Ich und Du (23.9.-22.10.)

Gott ist nicht wie der Himmel und auch nicht wie das Meer.

Sondern wie die Linie, wo Himmel und Meer sich vereinigen.  

Kryananda, indischer Astrologe

 

Wenn zu Herbstanfang die Sonne das Tierkreiszeichen Waage betritt, ist für einen kurzen Moment alles im Gleichgewicht. Die Tag-und-Nacht Gleiche bildet den Mittelpunkt des astrologischen Jahres: Die helle Jahreshälfte ist vorbei, die dunkle Jahreshälfte steht bevor. Die Energie ist jetzt im ersten Herbstmonat meist sanft, freundlich und angenehm. Die Natur scheint noch einmal alles zu geben. Ihre Farben sind ein Fest, an dem wir uns erfreuen können, bevor wir für dieses Mal Abschied nehmen. Das Werk ist vollbracht, wir dürfen uns bildlich gesprochen gelassen niedersetzen und  in aller Ruhe den Sonnenuntergang betrachten.

 

Ein Waage betonter Mensch kommt mit dem Bewusstsein auf die Welt, dass er oder sie nicht allein ist. Leben wird erst durch Begegnung, durch die Bezogenheit auf ein Du sinnvoll und reich. Das macht ihn oder sie von vornherein zu einem sozialen Wesen, allerdings auch abhängig von der Umwelt. Denn wer sich stark am Wir orientiert, tut sich schwer mit dem Ich. 

 

Waage hat den Auftrag für ein Gleichgewicht zu sorgen, Gegensätze zu versöhnen, für das rechte Maß zu sorgen, auszubalancieren. Hierhin passt die Idee vom mittleren Weg, den Buddha uns zu leben vorschlägt. Weder Wohlstand und Sorglosigkeit noch Entsagung und Askese haben ihn auf Dauer Frieden finden lassen. Der goldene Mittelweg ist eine (Waage-) Weisheit, die die Polaritäten akzeptiert und versucht, sie zu vereinen, zu versöhnen. Um vollständig sein zu können, müssen wir die hellen und die dunklen Seiten in uns und in unseren Beziehungen gleichermaßen ehren. 

 

Waage bringt die Sehnsucht mit, dass die Welt, in die wir hineingeboren sind, eine schöne Welt ist. Im Äußeren wie im Inneren. Das heißt auch, dass man die Welt nicht in Gestalt von Problemen sehen möchte, denn ein Problem bedeutet Ungleichgewicht. Hier haben wir ein ausgeprägtes Gefühl für Harmonie und Disharmonie. Wir gleichen aus was im Ungleichgewicht ist. Manchmal aus der falschen Vorstellung heraus: Wir müssen nett, freundlich und angenehm sein, um anerkannt und gemocht zu werden. Dann sagen wir Ja wenn wir Nein meinen und lächeln wenn uns eigentlich zum Weinen zumute ist.

 

Waage Menschen müssen lernen, was echte Freundlichkeit und was Konfliktvermeidung ist. Rechtzeitig Nein sagen, rechtzeitig lernen nicht mehr zu lächeln, keine gute Miene zu bösem Spiel machen. Für sie geht es darum die Qualität von Widder - dem Gegenpol im Tierkreis -  zu integrieren: ganz sie selbst zu sein ohne gefallen zu wollen, ohne auf die Meinung der anderen angewiesen zu sein, ohne auf die Unterstützung anderer zu hoffen. Sondern sich zu entscheiden und damit in Kauf zu nehmen, die (Schein-) Harmonie aufs Spiel zu setzen.

 

Wie sieht es mit Deinem Gleichgewicht aus? Darf Dein Leben zwei Seiten haben? Darf es auch mal Wolken geben oder bist Du ständig auf der Suche nach dem perfekten Job, dem perfekten Partner, den perfekten Kindern, der perfekten Leistung etc.? Glücklich schätzen können wir uns doch dann, wenn wir sagen können: Mein Leben ist im Gleichgewicht, es ist ausgewogen, ich bin zufrieden.

 

Wie geht es Dir damit?

 

Alles Liebe

Deine Julia